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Turnfahrt/Hochzeit in Serbien

Eine Hochzeit in Serbien, und was Belgrad so zu bieten hat

Eine gutgelaunte Schar traf sich am Donnerstagmorgen am Bahnhof Wiesendangen. Ziel war das ferne Serbien, wo eine Hochzeit stattfinden sollte. In Winterthur stiegen weitere zu mit dem gleichen Ziel, und schon hiess es aussteigen: Zürich Flughafen. Am Flughafen erhielten wir ein grobes Briefing vom Herr Reiseleiter, und er verteilte auch sogleich grosszügig Notfall Kärtchen.

Danach trennte sich die nun wohlinformierte Schar in kleine Gruppen auf. Die einen gingen Franken in Dinar umtauschen, und die anderen genossen ein letztes heimisches Hopfenwasser in der Bye Bye Bar. Sicher ist sicher.

Irgendwann schafften es dann auch alle durch die Sicherheitskontrolle, und nun galt es noch den Verlockungen des Duty-Free Bereich zu widerstehen. Endlich versammelte sich die Truppe wieder beim Gate. Zum Flugzeug wurden wir mit einem Bus gebracht. Kurze Zeit später genossen wir die grenzenlose Freiheit über den Wolken und schwebten Richtung Balkan.

Wohlbehalten landeten wir am Belgrader Flughafen. Nach bester Schweizer Manier teilten wir uns sogleich in mehrere Gruppen auf, um die vorhandenen Taxis zu kapern, welche uns auch rasch zum Hotel brachten. Zimmerbezug war schnell gemacht und schon ging es zum nächsten Programmpunkt: Singen auf der Terrasse. Zur allgemeinen Erheiterung übten wir fleissig und sehr gewissenhaft unsere Lieder für die Hochzeit. Danach teilte sich die Schar wieder und kleine Grüppchen entschwanden in alle Richtungen, um an verschiedenen Orten einen feinen Znacht zu geniessen.

Später am Abend testeten wir die Bar- und Clubszene der Metropole oder folgten dem Ruf des Jägers. Welch Zufall – plötzlich fanden sich viele Wiesendanger in einem Club am Stadtrand wieder. Dort wurden aus Versehen sündhaft teure Käufe getätigt und einige konnten es nicht lassen die Toleranzgrenze der Einheimischen hinsichtlich Genderdiversität zu testen. Diese Aktion fand jedoch nicht den gewünschten Anklang, und uns wurde nahegelegt, den Ausgang des Etablissements ohne Umwege zu nutzen.  Ausserhalb des Clubs machten unsere Truppe, leutselig wie wir sind, natürlich schnell mit der örtlichen Jugend Bekanntschaft. Die Gegenliebe liess allerdings zu wünschen übrig, und man riet uns den Heimweg ziemlich direkt anzutreten. Wir folgten dem weisen Rat im fernen Lande unverzüglich und suchten sicheren Boden. Die kulturell Interessierten machten an diesem Abend ausgedehnte Spaziergänge und inspizierten dabei die Baukulturen vor Ort.

Der Freitagmorgen begann für die meisten etwas sehr später als geplant, wodurch leider auch das Frühstück ersatzlos gestrichen war. Oder fast. Man ernährte sich mangels Alternativen dann halt grösstenteils flüssig. Natürlich liessen wir es uns auch nicht nehmen die anderen Gäste mit einer Kostprobe unseres fleissig geübten Gesangs zu beglücken. Nach getaner Tat wollten wir nun doch die Stadt und vor allem ihre am höchsten Punkt thronende Burg erkunden. Dieses Vorhaben jedoch rasch unterbrochen, da durch das verpasste Frühstück der Hunger an den stämmigen Turnern nagte. Darum genehmigten wir uns zuerst eine ausgiebige Stärkung im nächstgelegenen Restaurant. Endlich wieder bereit zu neuen Taten fand sich die Truppe anschliessend zusammen und begab sich unverzüglich zur Burg. Auf der kurzen Erkundungstour der Burg wurde auch die kleine dazugehörige Beiz aufgespürt, und wir genossen einen Becher oder mehr, nach diesem strengen Programm.

Sobald der Abend anbrach, stürzten wir uns erneut mutig ins bereits bekannte Nachtleben Belgrads. Dort genossen wir arme Schweizer ausgiebig die günstigen Erfrischungsgetränke, was wie immer rege Diskussionen und spannende Gespräche mit sich bringt. Am späteren Abend teilten sich die Gruppen wie üblich auf diverse Nachtclubs auf. Dabei begegneten wir erneut düsteren und gefährlichen Gesellen und entkamen nur knapp einem Unfall.

Am Samstagmorgen mussten wir zum Unmut der Nachtschwärmer, viel zu früh aus den Federn, um den Car zur Hochzeit zu erwischen. Um die lange Fahrt heil zu überstehen, hielten wir an einer Tankstelle und frischten unsere müden Gemüter mit ein bisschen Hopfen auf. Und weiter ging es ins Unbekannte. Schlussendlich fanden wir uns vor einem sehr altertümlichen Gebäude wieder. Dieses stellte sich als Wasserpark und Hotel heraus, wo auch die Hochzeit stattfinden würde. Und wieder hiess es Zimmer beziehen, bevor wir den Wasserpark und die örtlichen Gaststätten erkunden durften. Team Wasserpark staunte dann aber über das doch etwas sehr fragwürdige Hygienekonzept dieser Anlage. Die Rutschen waren gelinde gesagt eine riskante Herausforderung, was uns aber in keiner Weise von waghalsigen Manövern abhielt und viel zur allgemeinen Erheiterung beitrug.
Um vier Uhr traf sich die meisten wieder in einem Hotelzimmer und übten ein letztes Mal die Lieder für die Hochzeit. Schliesslich wollten wir einen guten und bleibenden Eindruck hinterlassen.
Nun schmissen wir uns in Schale, das heisst TV Polo mit weisser Fliege. Nachdem wir uns mit den anderen Hochzeitsgästen bekannt gemacht hatten, überbrachten wir dem Bräutigam unsere Glückwünsche und nahmen an sehr schön dekorierten Tischen Platz. Kaum sassen wir, wurden wir von ausserordentlich zuvorkommenden Kellnern umsorgt und konnten die köstlichen Speisen in vollen Zügen genießen. Begleitet wurden unsere Schlemmereien von sehr lauter Volksmusik. Andere Länder, andere Sitten. Dann war endlich auch unser grosser Moment gekommen, und wir erfreuten die Gästeschar mit den fleissig geübten Liedern und überreichten dem Brautpaar ein schönes Geschenk.

Nächster Programmpunkt war einheimischer Volkstanz. Auch das meisterten wir wie immer phänomenal. In letzter Minute mussten noch Sachen für die Schauermär zusammengesucht werden, und ein Kleiderwechsel war angesagt. Die Security vor Ort hatte allerdings wenig Verständnis für Schauermär und skurril gekleidete Männer, und wir riskierten fast einen Rauswurf. Aber Ende gut, alles gut und es endete friedlich. In Erinnerung blieb ein schöner und lustiger Abend, den einige mit einem Abschluss im kühlen Nass krönten.

Am Sonntag hiess es Abschied nehmen. Zuvor jedoch noch die Schäden vom Vorabend beseitigen, das heisst, Zimmer aufräumen und es irgendwie zum Car zu schaffen. Die Fahrt zum Flughafen verlief entsprechend ruhig und schon bald schwebten wir wieder hoch über Serbien und heimischen Gefilden entgegen.