Andere Zeiten, andere Sitten
Ein Thema beherrscht unsere ganze Turnerfamilie und nicht nur diese. Alles ist etwas anders, ungewohnt und doch (muss) funktioniert’s. Offizielle Vereinsmittteilungen sind fast nur Absagen von Wettkämpfen, Festen und Unterhaltungen. Die Vereinsaktivtäten sind auf so tiefem Niveau wie es keiner von uns kennt. Das dauernde Risiko einer Absage fördert die Motivation von Organisatoren aller Aktivitäten nicht. Sehr verlockend ist es für uns alle, in der Passivität zu bleiben, in die wir seit dem ersten Lockdown gedrängt werden. Dies könnte für unsere Turnerfamilie zu einem grösseren Problem werden, wie das zeitlich begrenzte lahmlegen der Aktivitäten. Was mich persönlich positiv stimmt, ist aber zu wissen, dass unser Verein nicht das erste Mal gelähmt ist. Seit seinen 125 Jahren ist der Verein schon mehrmalig mehrere Jahre stillgelegt worden. Aus anderen schwerwiegenderen Gründen und trotzdem besteht er noch. Die Turner vermissen das Vereinsleben, weil es grundlegende Bedürfnisse abdeckt. Jeder erlebt gerne in einer verschworenen Gruppe Abenteuer und klopft sich gegenseitig nach einem Erfolgserlebnis auf die Schulter. Das können Kleine wie auch Grosse sein. Das kann der Gipfel der Rigi sein oder ein RTF. Diese Erlebnisse machen unseren Verein, uns aus. Darum steht die Turnfamilie für mehr als Sport und geselliges Beisammensein. Das versteht leider nicht jeder. Aber jeder der solche Erfahrungen gemacht hat, umso besser. Ein Turner, der auf seinem Velo nach Gossau und zurück alles verwunschen hatte und mehrmalig seinen Drahtesel lieber in den Strassengraben geworfen hätte, war am Ende trotzdem stolz auf seine Leistung, die er mit seinen Kollegen errungen hatte. Ein anderer organisierte eine Reise für die ganze Turnerfamilie und hat sich mehrfach geschworen nie mehr sowas zu tun, doch am Ende erhielt er Lob und Anerkennung und ist wieder für weitere Taten zu haben. Der Dritte ist wegen einer Absenz eingesprungen und organisierte Auf- und Abbau an der letzten Unterhaltung. Das Führen der anderen Turner hat er sich einfacher vorgestellt, speziell am Sonntagmorgen war er gefordert. Am Nachmittag war eine weitere erfolgreiche Unterhaltung vorüber und man beglückwünschte sich. Solche Erlebnisse schweissen zusammen, lassen den Verein etwas Spezielles sein, fordern aber Mut und manchmal etwas Naivität (oder Überschätzung). Jeder von euch kennt solche Geschichten, lasst uns noch möglichst viele solcher erleben. Wir müssen Regeln einhalten und das tun wir auch. Aber im Rahmen dieser, getraut euch, unternehmt was, tut euch zusammen aber lasst euch nicht lähmen. Ich warte nicht bis alles vorbei ist, wir leben jetzt. Geniesst es.
Ich wünsche euch allen besinnliche Weihnachten, einen guten Rutsch und ein erlebnisreiches 2021.
Euer Präsident